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Handwerkskonjunktur noch stabil, aber die Risiken steigen

Die Handwerkskonjunktur könnte im Jahresverlauf erheblich unter Druck geraten.

LÜBECK/FLENSBURG, 11. April 2022

Massiv gestiegene Energiekosten, Materialverknappung und -verteuerung, Verunsicherung der Verbraucher: Die Auswirkungen von Krieg und Wirtschaftssanktionen sind im regionalen Handwerk derzeit mehr und mehr zu spüren. Die Handwerkskonjunktur könnte im Jahresverlauf erheblich unter Druck geraten.

In der aktuellen Konjunkturumfrage der Handwerkskammern Lübeck und Flensburg zeichnet sich die zu erwartende Verschlechterung jedoch noch nicht ab – wohl auch, weil der Kriegsbeginn in der Ukraine zum Zeitpunkt der Befragung erst wenige Wochen zurück lag. Der überwiegende Teil der Handwerksbetriebe war mit der eigenen Geschäftslage in den Monaten Januar bis März zufrieden: 55 Prozent meldeten eine gute, 36 Prozent eine befriedigende und nur 9 Prozent eine schlechte Geschäftslage. Damit hat sich die Gesamtsituation im Handwerk gegenüber dem Vorquartal nur geringfügig verändert (viertes Quartal 2021: 58, 31 und 11 Prozent). Bei einer weitgehend stabilen Auftrags- und Umsatzentwicklung blieben auch die Investitionen und die Beschäftigtenzahlen gegenüber dem Vorquartal überwiegend konstant.

Die seit Ende Februar deutlich verschärfte geopolitische Lage bereitet dem Handwerk jedoch erhebliche Sorgen, wie auch Ralf Stamer, Präsident der Handwerkskammer Schleswig-Holstein, betont: „Auch unsere Betriebe spüren sehr deutlich die Auswirkungen, die der russische Krieg gegen die Ukraine auf Weltmärkte und Lieferketten hat.“ Die schon zuvor rasante Preisentwicklung bei wichtigen Baumaterialien und Vorprodukten habe sich vielfach weiter beschleunigt. „Mit voller Wucht treffen auch die massiv gestiegenen Energiekosten unsere Betriebe“, so Stamer. Und noch etwas mache den Betrieben aufgrund der erheblichen Unsicherheit über die weitere Entwicklung extrem zu schaffen: „Vielen Handwerkerinnen und Handwerkern fehlen derzeit verlässliche Kalkulationsgrundlagen.“

Erwartungen für die nächsten Monate

Für das zweite Jahresquartal erwarten die meisten Handwerksbetriebe keine Wachstumsimpulse: 64 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden Entwicklung und 14 Prozent mit einer Verschlechterung der Geschäftslage, während nur 21 Prozent von einer Verbesserung ihrer Situation ausgehen.

Inzwischen wird immer deutlicher: Angesichts der Preisentwicklung bei Baumaterialien, Vorprodukten und Energie rechnen viele Handwerksbetriebe mit einem möglichen Rückgang der Kundennachfrage. Erste Anzeichen für eine stärkere Zurückhaltung vor allem privater Auftraggeber werden im Handwerk sichtbar. Die deutlich anziehende Inflation dürfte kurz- bis mittelfristig das Verhalten der Verbraucher beeinflussen, wodurch die Konjunktur im Handwerk weiter unter Druck geraten könnte.

Die Ergebnisse aus den beiden Kammerbezirken

Im Kammerbezirk Flensburg (Kreise Schleswig, Rendsburg, Eckernförde, Dithmarschen und Nordfriesland sowie die kreisfreie Stadt Flensburg) vermeldeten 57 Prozent der befragten Betriebe im ersten Jahresquartal eine gute, 35 Prozent eine befriedigende und 8 Prozent eine schlechte Geschäftslage. Damit lag man annähernd auf dem Niveau des Vorquartals und dem Vergleichsquartal des Vorjahres. Besonders gut schnitt die Baubranche (Geschäftslage: 76 Prozent gut, 20 Prozent befriedigend und 4 Prozent schlecht) und das Ausbaugewerbe (69, 29 und 2 Prozent) ab. Die Handwerke für den gewerblichen Bedarf (40, 40 und 20 Prozent) wiesen noch ein recht ordentliches Ergebnis aus. Das Kfz-Gewerbe (8, 77 und 15 Prozent) und das Nahrungsmittelgewerbe (9, 73 und 18 Prozent) schnitten besser als im ersten Quartal des Vorjahres und etwas schlechter als im Vorquartal ab. Die Gesundheitshandwerke (45, 33 und 22 Prozent) und die personenbezogenen Dienstleistungshandwerke (0, 60 und 40 Prozent) blieben auf Vorquartalsniveau und verbesserten sich leicht gegenüber dem ersten Quartal des Vorjahres. Insgesamt sprach das Handwerk von einem leichten Rückgang bei den Beschäftigten und den Investitionen. Die Einkaufspreise wurden von 96 Prozent der Betriebe als steigend registriert.

Im Kammerbezirk Lübeck (kreisfreie Städte Kiel, Lübeck und Neumünster sowie Kreise Herzogtum Lauenburg, Ostholstein, Pinneberg, Plön, Segeberg, Steinburg und Stormarn) berichteten 54 Prozent der Betriebe von einer guten, 37 Prozent von einer befriedigenden und 9 Prozent von einer schlechten Geschäftslage. Gegenüber dem Vorquartal gab es nur geringfügige Veränderungen. Die besten Bewertungen kamen aus dem Ausbauhandwerk, in dem 73 Prozent der Betriebe von einer guten, 23 Prozent von einer befriedigenden und nur vier Prozent von einer schlechten Geschäftslage berichteten, und aus dem Bauhauptgewerbe (71, 29 und 0 Prozent). Auch aus dem Handwerk für den gewerblichen Bedarf wurde eine überwiegend positive Lage gemeldet (53, 35 und 12 Prozent). Überwiegend als befriedigend wurde die Geschäftslage im Nahrungsmittelhandwerk (21, 64 und 15 Prozent), im Gesundheitshandwerk (27, 64 und 9 Prozent) sowie im personenbezogenen Dienstleistungshandwerk (28, 59 und 13 Prozent) eingeschätzt. Die schlechteste Stimmung herrschte im Kraftfahrzeughandwerk (33, 34 und 33 Prozent). Im Gesamthandwerk waren der Auftragsbestand, die Umsätze, die Investitionen und die Beschäftigtenzahlgen gegenüber dem Vorquartal meist stabil. Hingegen meldeten 70 Prozent der Betriebe steigende Verkaufspreise, die überwiegend auf deutlich erhöhte Beschaffungspreise zurückzuführen sind.

 

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